DMS 6: Ein Meilenstein für die Mundgesundheit und der Wandel des Zahnarztberufs

Die Veröffentlichung der sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6) im Frühjahr 2025 markiert einen Wendepunkt in der Bewertung der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland. Seit 1989 liefert diese repräsentative Langzeitstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) fundierte Daten über den Zustand der Zähne in allen Altersgruppen. Die aktuellen Ergebnisse sind so deutlich wie nie zuvor: Deutschland hat sich zu einem der weltweit führenden Länder in der Kariesprävention entwickelt.

Prävention als Erfolgsmodell: Die wichtigsten Ergebnisse

IMG 7491

Ein zentrales Ergebnis der DMS 6 ist der massive Rückgang von Karies und Zahnverlust. Bei den 12-jährigen Kindern sind heute rund 78 % komplett kariesfrei. Noch vor drei Jahrzehnten war das ein nahezu utopischer Wert. Auch bei den jüngeren Senioren (65 bis 74 Jahre) zeigt sich ein historischer Erfolg: Die Zahl der völlig zahnlosen Menschen hat sich im Vergleich zur Vorgängerstudie DMS V fast halbiert und liegt nun bei nur noch 5 %.

Dieser Fortschritt ist kein Zufall, sondern das Resultat eines konsequenten Umbruchs: Weg von der reinen „Reparatur-Medizin“ hin zu einer präventionsorientierten Zahnheilkunde.


Die soziale Schere: Bildungsstatus und Mundgesundheit

IMG 7493

Trotz aller Erfolge macht die DMS 6 eine schmerzhafte Lücke deutlich: Den Zusammenhang zwischen Bildungsstatus und Zahngesundheit. Die Studie belegt, dass die Karieserfahrung und das Risiko für Parodontitis in Gruppen mit niedrigem Bildungsniveau signifikant höher sind.

Während Menschen mit hohem Bildungsabschluss überdurchschnittlich oft präventive Leistungen und professionelle Zahnreinigungen in Anspruch nehmen, ist die Zahngesundheit in sozial schwächeren Schichten häufiger von Behandlungsstau und schwereren Krankheitsverläufen geprägt. Interessanterweise zeigt die Studie jedoch auch eine Ausnahme: Bei den sogenannten Erosionen (Zahnschmelzabbau durch Säure) weisen jüngere Erwachsene mit hohem Bildungsstatus oft höhere Werte auf – vermutlich bedingt durch einen modernen Lebensstil mit hohem Konsum von säurehaltigen Getränken und Obst.



Der Zahnarzt im Wandel: Vom „Handwerker“ zum Gesundheitsmanager

Die DMS 6 spiegelt eindrucksvoll wider, wie sich das Berufsbild des Zahnarztes über die Jahrzehnte gewandelt hat. Früher stand die Schmerzbehandlung und der schnelle Zahnersatz (Extraktion und Prothese) im Fokus. Der Zahnarzt fungierte primär als technisch versierter „Reparateur“.

Heute ist der Zahnarzt vielmehr ein Begleiter für lebenslange Gesundheit. Das moderne Anforderungsprofil umfasst:

  • Der Präventions-Coach: Die Beratung zur Mundhygiene und Ernährung nimmt heute oft mehr Raum ein als das Bohren selbst.
  • Der Parodontitis-Experte: Da Menschen ihre Zähne bis ins hohe Alter behalten, rücken entzündliche Zahnbetterkrankungen ins Zentrum der täglichen Arbeit.
  • Der Koordinator: Durch die nachgewiesenen Wechselwirkungen zwischen Mundgesundheit und Allgemeinerkrankungen (wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen) ist der Zahnarzt heute ein wichtiger Partner im interdisziplinären Gesundheitsnetzwerk.

IMG 7492 1

Fazit für Ihre Zahngesundheit

Die DMS 6 zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber auch, dass der Aufklärungsbedarf bleibt.
Besonders die Prävention bei Parodontitis und die Erreichbarkeit bildungsferner Schichten sind die großen Aufgaben der nächsten Jahre.
Das Ziel ist klar: Mundgesundheit darf keine Frage des sozialen Status sein.